Blumenturnier – aus der Sicht eines Hundes

19.04.2008
Michael Weber

 

 

Ehrlich gesagt, habe ich mir nichts Schlimmes erwartet, als mein Herrchen mich gerufen hat. Ich war gerade dabei den Garten zu inspizieren. Fröhlich mit dem Schwanz wedelnd bin ich ihm also entgegengelaufen, neugierig, was Herrchen denn jetzt Tolles für mich hat? Hat er eventuell meinen Ball gefunden? Oder gehen wir eine Runde schwimmen? Immerhin, die Leine hat er in der Hand, die Autoschlüssel auch. Das lässt Gutes vermuten. Ohne großen Widerstand hopse ich also freudig ins Auto. Wenig später halten wir und Margit steigt ein. „Sie wird uns wohl beim Schwimmen gehen begleiten“, denke ich während ich mich zwischen den Sitzen hindurch nach vorne kämpfe, um sie ausgiebig zu begrüßen. Da ich dort auch besser aus dem Fenster sehe, bleibe ich gleich dort sitzen. Der Ort, an den wir fahren, sieht sehr schön aus. Ich sehe zwar weder einen Fluss noch einen Teich, dafür aber sanfte Hügel mit viel perfekt geschnittenem Rasen. Ansonsten ist da nur ein großes Haus und auf dem Rasen stehen ein paar Menschen rum, die kleine weiße Bälle durch die Gegend schlagen. Wunderbar. So was mag ich!
Doch was macht mein Herrchen? Anstatt mit mir zu den netten Menschen zu laufen und ihnen die kleinen Bälle zurückzubringen, gehen wir ins Haus hinein. Und das bei dem traumhaften Wetter? Kurz habe ich noch gehofft, wir gehen durch das Haus in den Garten. Aber nein. Wie es scheint, bleiben wir da herinnen. Geht´s ihm noch gut? Aber wer versteht diese Menschen schon?
Es sind bereits etliche Leute da. Die meisten kenne ich schon. Das letzte Mal dürften es aber einige mehr gewesen sein. Verständlich bei dem Wetter. Nett ist, dass ich so herzlich begrüßt werde. So was mag ich.
Nachdem Margit  die Anwesenden begrüßt und ein wenig über die unterschiedliche Bedeutung von Blumen erzählt hat, setzen sich die anwesenden Menschen an die vorbereiteten Tische und nehmen Karten in die Hand.
Hallo? Ben an Herrchen. Das war doch gestern Abend schon dran. Da war´s ja ganz okay. Da war´s dunkel draußen. Aber jetzt ist es hell! Die Sonne scheint! Da draußen fliegen Bälle durch die Gegend!! Und wir sind hier herinnen?
Aber Herrchen scheint meine Verzweiflung reichlich egal zu sein und er schickt mich auf meinen Platz. Denkste. Wenn ich schon da herinnen sein muss, dann bitte auch bei meinem Herrchen. Wenn er für das hier Herumsitzen sogar das Laufen und Schwimmen sein lässt, muss das, was er da tut, ja wirklich was Tolles sein.
Es werden Karten gemischt, verteilt und aus seltsamen Boxen lustige Karten auf den Tisch gelegt. Die Menschen im Raum scheinen sehr konzentriert zu sein. Manche seufzen tief und starren stur auf ihre Karten. Nach einer Zeit, die mir endlos erscheint, stehen plötzlich alle auf. „Juhu“, denk ich. “Jetzt gehen wir wohl alle raus“. Aber nein, sie laufen einfach zu anderen Tischen und dort geht´s wieder von vorne los. Jetzt will ich aber wissen, was da los ist. Ich setze meinen liebsten Blick auf (ich weiß genau, wie man Menschenherzen erweicht), stelle mich vor den Sitz meines Herrchens und hieve mich langsam auf Herrchens Schoß. Was hat er denn da? Mein Blick fällt auf folgende Karten.
Pik 6
Herz B 2
Karo K 7 2
Treff A K D B T 8 2

Mein Herrchen denkt. Er scheint nicht ganz sicher zu sein, was er da tun soll. Er denkt schaut und legt 3NT auf den Tisch. Die anderen legen der Reihe nach grüne Karten auf den Tisch. Ich fürchte ich werde diese Menschen nie verstehen.
Der Mann auf der linke Seite meines Herrchens legt  ª7 auf den Tisch. Gleich danach legt Margit all ihre Karten auf den Tisch. Sie scheint nicht mehr mitspielen zu wollen. Ich vermute, ihr macht das Ganze auch keinen Spaß mehr. Ob sie mit mir raus auf die Wiese zum Spielen gehen will? Margit hat die folgenden Karten

 

PikK D 9 8 5
Herz A K T 5 4
Karo A 2
Treff 4

Meinen Herrchen schaut verzwickt und sagt so etwas wie:” Und wie so oft in letzter Zeit hab ich mal wieder die falsche Entscheidung getroffen.“

Auf die Pik7 legt mein Herrchen PikªK und der Mann nachher Pik2. „Wenn ich schon falsch lizitiere, dann versuch ich jetzt wenigstens, brauchbar zu spielen“, flüstert mein Herrchen mir ins Ohr. Spielen? Spielen klingt gut. Als raus mit uns.
Aber Herrchen bleibt sitzen und starrt auf die Karten. Nach längerem nachdenken spielt er endlich HerzA KaroA KaroK und die ganzen Treff. Er sagt etwas von Squeeze, wenn der Mann links von uns neben dem PikA auch noch die HerzD hat. Scheinbar war es so, denn mein Herrchen bekommt alle Stiche und freut sich, weil er sich an diesem Squeeze versucht hat. Seine Freude währt aber nur so lange, bis der Herr links von uns meint, er habe außer der HerzD ohnehin nur mehr eine Herz Karte gehabt.
Mein Interesse an dem, was mein Herrchen da so begeistert, ist erschöpft. ich möchte wieder heim oder zumindest raus. Aber es wird gewechselt, Kärtchen und Karten werden auf den Tisch gelegt und die Menschen tragen Zahlen auf Zetteln ein.
Nach schier ENDLOSEN 3h30 Stunden werden die Karten und Boxen endlich weggeräumt. Margit liest Namen vor. Die Menschen kommen und jede(r) darf sich einen der hübschen Blumenstöcke nehmen. Ob das das Zeichen ist, endlich heim zu kommen? Auch meine Blase macht sich langsam bemerkbar. Oh ja, nachdem auch der letzte Blumenstock vergeben ist, schnappt mein Herrchen seinen Autoschlüssel, meine Leine und wir verlassen endlich das große Haus bei der großen Wiese. Wurde auch Zeit. Lang hätte ich das nicht mehr ausgehalten. Aber wenn mein Herrchen das Kartenlegen mit den ganzen netten Leuten glücklich macht, dann will ich ihm das nicht verderben. Ich hoffe nur, das nächste Mal darf ich zu Hause bleiben.  

 

 


Letzte Änderung: 21.04.2008